Optisches Tuning oder der Wolf im Schafspelz

Dicke weiße Streifen über Haube, Dach und Bürzel, ein lässiges V8-Schild an der Abrisskante des VW Jetta, Breitreifen vortäuschende Radkappen oder auch ein Spoiler vor der Schürze des Ford Fiesta, der vor jedem Kanaldeckel mit sonorer Stimme einläd: Bitte umgehend wenden.
Optisches Tuning ist ein großer Markt. Aber es will gelernt und mit viel Fingerspitzengefühl eingesetzt sein. Für den Laien ist selten zu erkennen, wo zusätztliche Fahrsicherheit durch Spoiler endet und rein optisches Tuning beginnt. Das mag dem Fan des großen Auftritts entgegen kommen.
Doch der eigentlich Uninteressierte am Wegesrand sagt einmal kurz „Boah ey“ und vergisst das Ganze schnell wieder.
Der Autobegeisterte dagegen lässt sich vom bloßen Erscheinungsbild selten irritieren. Das Ergebnis umfangreichen optischen Tunings nennt man fachmännisch „Aufmotzen“. Das Fahrzeugtuning – dezent verpackt – wird gern mit dem sprichwörtlichen Wolf im Schafspelz verglichen. Wer nach Vorbilder dafür sucht, findet sie zum Beispiel im BMW 323i von 1978, sofern die serienmäßige Ausstattung erhalten blieb.

Die Übergänge vom wohltuenden, weil notwendig erscheinenden Tuning wie etwa bei den Werkstunern AMG von Mercedes und der M wie Motorsport-Abteilung von BMW zum übertriebenen Aufmotzen sind fließend. Und jeder dezente Versuch, die Anbauteile im Rahmen zu halten, kann auch zum Misserfolg führen. Ein bisschen optisches Tuning, das dem Erscheinungsbild zur Veredlung hilft, ist das Geheimnis. Hier könnte man den Hersteller Alpina anführen (nicht der für Wandfarbe, sondern der für edle Weine und BMW-Automobile).
Am BMW 316i hinter den vorderen Radkästen Lüftungsschlitze á la M3 aufzukleben wirkt einfach nur billig, wenn sich der Aufkleber beim ersten Regenguss ablöst.