Die internationale Gestalt der Kuckucksuhr

Während die traditionellen Schwarzwälder Kuckucksuhren die klassische Giebelansicht eines Hauses mit Spitzdach bevorzugen, haben die Sammler in aller Welt inzwischen unzählige Abwandlungen aus verschiedenen Kulturkreisen zusammen getragen. Dort finden sich bei verschiedenen Modellen der Kuckucksuhren bis auf die im Innenleben verwendeten Mechaniken äußerlich an einigen Stellen kaum noch Übereinstimmungen mit den ursprünglichen Formen aus dem Schwarzwald. So wurden zum Beispiel den staunenden Zuschauern einer bekannten Fernsehsendung Kuckucksuhren präsentiert, deren Ansicht eher an die Pagoden und Tempel aus dem asiatischen Raum erinnern. Auch gab es Ansätze, die zugrunde liegenden mechanischen Antriebe auf elektronisch gesteuerte Stimmen und Bewegungen umzustellen. Doch damit ging das mit dem Ticken einer Kuckucksuhr verbundene Flair vollständig verloren.

Im Zuge der Kommerzialisierung der Herstellung von Schwarzwälder Kuckucksuhren im Wege der industriellen Produktion konnten zwar die Preise für die Uhren deutlich gesenkt werden, aber dabei blieb die Einzigartigkeit dieser Uhrenkultur auf der Strecke, die über viele Jahrzehnte davon bestimmt war, dass die Holzschnitzer und Uhrmacher in gemeinsamer Arbeit Unikate schufen, die zwar grundsätzliche Ähnlichkeiten aufwiesen, die jedoch alle individuelle Einzelheiten aufwiesen. So wurden zum Beispiel kleine Astgabeln nur geschält und minimal nachbearbeitet, um die Holzstrukturen besser zur Geltung zu bringen. Eine der bekanntesten Nachbildungen der Schwarzwälder Kuckucksuhren steht in Schonach. Wer davor steht, wird zuerst nur darüber staunen, dass der Giebel des für die Region typischen Hauses mit einem riesigen Ziffernblatt geschmückt ist. Dort wurde kein Wohnhaus aufgebaut, sondern es handelt sich um die größte funktionsfähige Kuckucksuhr in Deutschland, die immerhin im Vergleich zum Original einen Maßstab von eins zu fünfzig aufweist.