Allergiepotential

Mit ihren extrem aggressiven Pollen und der Fähigkeit sich hierzulande als Unkraut zu profilieren, stellt die Ambrosia-Pflanze eine ernst zu nehmende Gefahr für Gesundheit und Landwirtschaft dar. Wissenschaftliche Studien konnten belegen, dass ein Großteil der europäischen Bevölkerung und nahezu alle Pollenallergiker auf die Pollen der Ambrosia sensibel reagieren.

Ambrosia Pollenflug

Unter den heimischen Ambrosiaarten sind nach aktuellem Kenntnisstand nur die Pollen der Ambrosia artemisiifolia von allergologischer Relevanz. Ambrosiapollen sind das weltweit potenteste Pollenallergen und um ein Vielfaches aggressiver als alle in Deutschland bekannten Baum- und Gräserpollen zusammen. In der nordamerikanischen Heimat gelten ihre Pollen bereits als das Allergen Nummer Eins. Bereits ein Dutzend Pollen pro Kubikmeter Luft genügen, um bei Pollenallergikern neben Tränen, Augenjucken, Lichtempfindlichkeit, Kopfschmerzen und Heuschnupfen auch schwerere Symptome wie Atemnot oder gar Asthma auszulösen. Die Karte zeigt die Ambrosiapollen-Belastung in 2006 über Europa.

Wegen der relativ späten Hauptblütezeit von Ende Juli bis zum ersten Frost verlängert sich der Zeitraum, in dem Pollenallergiker gewöhnlich leiden, um einige Monate. Wer noch im Oktober mit starken Heuschnupfen-Beschwerden zu kämpfen hat, reagiert möglicherweise bereits allergisch auf Ambrosiapollen und sollte unbedingt einen Arzt konsultieren, um dies zu prüfen. Denn unbehandelt stellt eine Ambrosia-Allergie ein erhebliches Risiko dar, in deren Folge einmal an Asthma zu erkranken.

Obwohl in Deutschland bislang erst wenige etablierte Ambrosia-Bestände bekannt sind, geht auch von ihnen eine nicht zu unterschätzende gesundheitliche Gefahr aus. Bei seltenen Winden aus Südost (Slowenien/Ungarn) gelangen zudem enorme Mengen von Ambrosiapollen bis nach Deutschland.

In Ungarn, Frankreich, Italien und anderen betroffenen Ländern, in denen sich die Ambrosia in den letzten zehn Jahren stark ausbreitete und längst zur Plage wurde, nahm die Zahl der Allergie- und Asthma-Patienten teilweise dramatisch zu. Dadurch sind für die Krankenkassen enorme Mehrkosten zu erwarten, die durch Arztbesuche und Medikamente entstehen. Bei sehr empfindlichen Personen können nach Hautkontakt mit einer Ambrosiapflanze in seltenen Fällen auch Hautirritationen auftreten, die neben direktem Hautkontakt mit Blütenstaub vermutlich auch auf den hohen Anteil an Sesquiterpenlaktonen in Stängel und Blättern zurückzuführen sind. Beim Ausreißen der Pflanzen gilt es daher Staubschutzmasken sowie Handschuhe zu benutzen. Allergiker sollten diese Arbeiten vorsichtshalber nicht selbst durchführen!

Antihistaminika-Mehrkosten durch Ambrosia

Wegen der hohen Aggressivität der Pollen von Ambrosia können sogar jene Menschen allergische Reaktionen aufweisen, die bisher von Heuschnupfen verschont blieben und bislang nicht auf Pollen sensibilisiert waren. Allergologen wissen bereits, dass sich die Pollen in den oberen Atemwegen ablagern, dort ungewöhnlich leicht und tief eindringen und sogenannte bioverfügbare Proteine freisetzen, wovon einige die Produktion von körpereigenen Immunglobulin-E-Antikörpern anregen und so eine reizende Sensibilisierung verursachen.

Allergologin
Ambrosiapollen

<!–Jedoch fiel ihnen auf, dass die Menge und Aggressivität der produzierten Pollen bei steigendem CO2-Gehalt (Kohlenstoffdioxid) in der Luft noch stark zunimmt. So fördert der durch den Menschen verursachte Klima-Wandel nicht nur die Ausbreitung der Pflanze in Folge einer globalen Erwärmung, sondern auch deren Allergenität in Folge der Luftverschmutzung.

–>Seltener aber nicht weniger beunruhigend sind Fälle, in denen durch Ambrosiapollen sogar unmittelbar Asthma-Symtome bei Nicht-Allergikern aufgetreten sind. Die Ursache für die besondere Allergenität der Pollen-Eiweiße von Ambrosia konnten Forscher bislang aber nicht eindeutig beschreiben. Therapie-Versuche, dem Immunsystem nach dem Prinzip der Hyposensibilisierung beizubringen, wieder verhalten auf die Pollen zu reagieren, waren zwar recht erfolgreich, jedoch von teils heftigen Nebenwirkungen begleitet. Eine bequeme Hyposensibilisierung, nach Vorbild der Gräsertabletten, ist hier also nicht zu erwarten.

In Verbindung mit Pollen anderer Traubenkräuter (Asteraceae), wie dem Beifuß, besteht die erhöhte Gefahr einer so genannten Kreuzallergie. Allergologen sind außerdem noch Kreuzreaktionen in Verbindung mit Allergenen nicht verwandter Pflanzen bekannt, inbesondere denen von Melonen, Bananen, Pfirsiche, Nektarinen, Apfel, Gurke, Zucchini, Sonnenblumen, Margeriten, Gänseblümchen, Arnika und Kamille. Von einer Behandlung gereizter Augen und Atemwege mit Kamillen-Präparaten ist daher unbedingt abzuraten.

Allgemeines zur Pollenallergie und Pollenschutz
Pollenschutzgitter minimieren PollenbelastungPollenschutzgitter

:: Ambrosia in der Vieh- und Landwirtschaft

Gegenüber den meisten landwirtschaftlichen Anbaupflanzen stellt die Ambrosia wegen ihrer relativ späten Hauptwachstumsphase und ihres geringen Verdrängungspotenzials allein keine nennenswerte Gefahr dar. Doch mit Ambrosiasamen untersetzte Erntegüter sollten unbedingt von einer weiteren Verarbeitung ausgeschlossen und vernichtet werden, da sie die bedeutendeste Ausbreitungsquelle darstellen.

Landwirt

Das gedultete Vorkommen von Ambrosia in der Landwirtschaft führt dazu, dass ihre Samen immer wieder ins Saatgut gelangen und sich außerdem über Futtermittel oder bereits auf den vielfältigen Transportwegen verteilen. Insbesondere die gängigen Importe von besonders häufig verunreinigtem Saatgut und Futtermitteln aus Osteuropa stellen momentan ein unkalkulierbares Risiko dar. Durch die Ernte verseuchter Nutzflächen gelangen die Ambrosiasamen von dort nicht nur in unser Saatgut, sondern auch ins heimische Vogelfutter und auf diesem Wege direkt in private Gärten, öffentliche Parks und überall hin, wo die Samen ausgestreut werden.

In einigen Ländern ist den Landwirten daher inzwischen streng untersagt, mit Ambrosia untersetzte Flächen überhaupt abzuernten. In der Schweiz erhalten betroffene Bauern immerhin eine Entschädigung und Unterstützung im Kampf gegen die Invasion. Im Gegensatz zu bereits stark betroffenen Ländern, ist die Ambrosia bei deutschen Landwirten aber bislang noch unbedeutend. Durch verunreinigte Saatgutimporte sowie dem missbräuchlichen Einsatz von Futtermischungen anstelle von ordentlichem Saatgut, kann sich das jedoch auch hierzulande schnell ändern. Besonders gefährdet sind Sonnenblumen-, Sommerweizen-, Soja- und Maiskulturen. Die Ambrosiapflanze profitiert besonders von früh bewirtschafteten Nutzflächen, da ihre Hauptwachstumsphase samt Blütenbildung generell erst sehr spät einsetzt (Juli-September) und somit ungestört zu Samenreifen kommen kann, während ein Feld längst abgeerntet ist. Einige Ökobauern befürchten daher, dass sich Ambrosia so als Zwischenwirt für Pflanzenkrankheiten wie z. B. dem Falschen Mehltau (Plasmopara halstedii) etabliert.

Die Ambrosiapflanze gilt als ungiftig. Gelegentlich auftauchende Gerüchte, dass Vieh in Folge des Verzehrs trotzdem erkrankt sei, wurden bislang nie eindeutig bestätigt. Die Ambrosia wird wegen ihres sehr bitteren Geschmacks von grasendem Vieh sowieso gemieden.

Experten warnen davor, dass sich die Ambrosia zunehmend festsetzt, ungehindert vermehrt und es dann kaum noch ein Mittel gegen den Eindringling gibt. In Italien, Schweiz, Ungarn und weiteren Ländern ist die Vernichtung identifizierter Ambrosia-Populationen daher schon per Verordnung oder Gesetz vorgeschrieben und Zuwiderhandlung teilweise mit empfindlichen Geldstrafen belegt worden.

Die Bekämpfung der Ambrosia

:: Heuschnupfen (Rhinitis) durch Ambrosia-Allergie

Nase: Jucken, wässriger Schnupfen, verstopfte Nase, Niesanfälle

Augen: Jucken, Rötung, Brennen, Lichtempfindlichkeit, Tränen, Bindehautentzündung

Bronchien: Husten, Atemnot, in Folge oder unmittelbar Asthma möglich

teilweise: Schwellung der Bronchialschleimhaut, Nesselsucht, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit

Zeitraum: Ambrosia blüht frühestens ab Ende Juli und setzt durch Windbestäubung bis zu einer Milliarde Pollen je Ambrosiapflanze frei. Sie verlängern die Pollensaison bis zum meteorologischen Winteranfang!

Betroffene: Pollenallergiker sind besonders gefährdet, gegen die Ambrosiapollen sensibel zu reagieren. Da ihre Pollen aber um ein Vielfaches aggressiver sind als alle Gräser-Pollen zusammen, können auch Menschen, die bisher vom Heuschnupfen verschont blieben, eine Sensibilität entwickeln, in dessen Folge sie auch gegen andere Pollen allergisch werden könnten.

Kreuzreaktionen: Bei den meisten Pollenallergien sind Kreuzreaktionen mit anderen Pflanzen oder mit Lebensmitteln häufig. So sind bei der Ambrosia Kreuzreaktionen mit anderen Korbblütlern, Beifuß, einigen Gräsern sowie Melonen, Bananen, Pfirsiche, Nektarinen, Apfel, Gurke, Zucchini, Sonnenblumen, Margeriten, Gänseblümchen, Arnika und Kamille bekannt.

Allergie-Auslöser: Das Hauptallergen der Pollen ist ein Amb a 1, a 38 kDa nicht glucose-gebundenes Protein, außerdem andere Allergene wie Profilin und Ca++ Proteine. Die Sesquiterpenlaktone in Stängel und Blättern stehen in umstrittenen Verdacht, ein Kontaktallergen zu sein.

Linderung/Behandlung: Risiko-Gebiete/Zeiten bei Urlaubswahl meiden; Einsatz von Pollenschutzgitter am Fenster empfohlen; begrenzte Linderung mittels Nasenspray und Augentropfen für Pollenallergiker; zur Klärung empfielt sich daher ein Allergietest beim Allergologen mit ggf. anschließender medikamentöser Behandlung und/oder Desensibilisierung