Ambrosia-Bekämpfung

Allergologen raten, die genaue Verbreitung der Ambrosia in Deutschland schnellstmöglich zu erfassen und Strategien zur Bekämpfung zu entwickeln, bevor sich die Art hierzulande ungehindert ausbreitet.

Ein ungehindertes Ausbreiten der Ambrosia ist unbedingt zu vereiteln, um enorme volkswirtschaftliche Schäden zu vermeiden, die durch die verminderte Leistung Arbeitstätiger, landwirtschaftliche Einbußen sowie durch Bekämfungs- und Krankheitskosten entstehen würden. Am Anfang steht die Aufklärung der Bevölkerung sowie die Auswertung umfangreicher Bekämpfungsprojekte anderer Länder.

Ambrosia als Unkraut

Einige Botaniker spielen die Gefahren, die von der Ambrosia ausgehen, leichtfertig herunter und verweisen auf das folgenlose Vorkommen der Art seit ihrer Entdeckung 1863 in Deutschland. Doch die Begründung, eine Bekämpfung von Ambrosia sei unnötig, weil sich das Unkraut wegen ungünstiger Bedingungen in Deutschland nicht wohlfühle, hinkt. Denn durch neu hinzugekommene Verbreitungsfaktoren, wie dem zunehmenden globalen Warenverkehr und fortschreitenden Klimawandel, wird eine Invasion des Unkrauts massiv unterstützt.

Ebenfalls mehr alarmierend als beruhigend sind die dramatischen Entwicklungen in Ländern, wie Ungarn, Frankreich und Italien. Dort hat sich Ambrosia in den letzten zehn Jahren so stark ausgebreitet, dass deren Blütenstaub in einigen Gebieten bereits mehr als die Hälfte aller gemessenen Pollen ausmachen. Alarmierende Konzentrationen wurden tageweise auch schon in Deutschland gemessen, insbesondere dann, wenn der äußerst seltene Süd-Ost-Wind die Pollen zu uns treibt.

Letztendlich kann es jedoch keine Lösung sein, die Ambrosia zum «Monster-Unkraut» zu erklären und einen unendlichen Vernichtungskampf gegen sie zu führen. Auch eine Ambrosiapflanze ist ein Lebewesen mit einer legitimen Daseinsberechtigung auf unserem Planeten. Darum gilt es in erster Linie, die durch den Menschen forcierte Verbreitung der Ambrosia zu unterbinden und darüber hinaus Mittel und Therapien gegen Pollenallergien zu entwickeln.

:: Ambrosia-Bekämpfung

Sofortige Bekämpfungsmaßnahmen sind relativ kostengünstig und haben zudem noch Aussicht auf Erfolg. Doch die harmlos aussehende Ambrosiapflanze wird wegen der Ähnlichkeit mit einheimischen Unkäutern oft nicht rechtzeitig wahrgenommen und wächst zu immer größeren Populationen heran, die sich dann, wie sich in Ungarn gezeigt hat, nicht mehr kontrollieren lassen. Biologische Unkrautbekämpfungsmittel sowie praktisch einsetzbare natürliche Feinde gegen das Traubenkraut sind bisher nicht bekannt.

Die meisten Ambrosiasamen gelangen durch den Import landwirtschaftlicher Produkte nach Deutschland. Also müssen Saatgut- und Tierfutterproduzenten in die Verantwortung genommen werden, ihre Lieferungen frei von Ambrosiasamen zu halten. Involvierte Lieferanten bestätigen zwar die technische Machbarkeit einer solchen Reinigung, sehen sich jedoch wegen erheblicher Mehrkosten außer Stande, dann noch global wettbewerbsfähig zu bleiben.

Hier sind also die EU und deren Mitgliedstaaten gefordert, über die bestehenden Vorschriften hinaus, schärfere Gesetze zur Kontrolle und Bekämpfung invasiver Pflanzenarten zu verabschieden und ein Verteidigungssystem zu entwickeln.

mit Ambrosiasamen kontaminiertes Saatgut

Bereits seit Jahren warnen Wissenschaftler öffentlich vor einer zunehmenden Ambrosia-Ausbreitung in Deutschland, doch der Bund reagierte bislang nicht (Stand: 2006). Neben zahlreichen Beiträgen in Rundfunk und Presse zur Schaffung eines öffentlichen Problembewusstseins, nehmen sich zunehmend mehr einzelne Bundesländer, Bezirke und Landkreise, ja sogar einzelne Gemeinden oder Gartenvereine der Ambrosia-Problematik an. Sie klären auf, geben konkrete Empfehlungen oder leiten eine Bestandsaufnahme ein. Zahlreiche Meldungen von Ambrosia-Vorkommen sind ein erfreuliches Indiz dafür, dass man die Gefahr ernst nimmt und zur Mitarbeit gewillt ist. Neben der Schweiz, die bereits vorbildliche Ausreißaktionen organisiert hat, haben auch Italien und Ungarn inzwischen eine Melde- und Bekämpfungspflicht von Ambrosia verordnet und teilweise mit empfindlichen Geldstrafen belegt.

Neuigkeiten zur Ambrosia-Problematik

Tipps für Landwirte, Gemeinden und Landschaftsgärtner:
Um die weitere Einschleppung zu unterbinden, sollten Landwirte zunächst unbedingt davon absehen, importierte Futtersamen als billigen Ersatz für hochwertiges Saatgut aus heimischer Produktion einzusetzen. Bereits mit Ambrosia untersetzte Nutzflächen sollten zudem von der Saatgut- und Tierfutter-Produktion ausgeschlossen werden. Entsprechende Maßnahmen werden in der Schweiz nicht nur vorbildlich unterstützt, sondern auch finanziell entschädigt.

Willkürliche Bekämpfungsmaßnahmen gegen Ambrosia sind relativ wirkungslos, da sich das Unkraut nach einmaligem Einsatz von Herbiziden oder Rückschnitt schnell regeneriert. Außerhalb der Landwirtschaft wird durch derartige Maßnahmen inbesondere auch jene heimische Vegetation geschwächt, die sonst das Potenzial besäße, die Ambrosia langfristig zu verdrängen. So kann die Ambrosia durch zeitlich nicht abgestimmtes Mähen von Grünflächen und Straßenbanketten dank ihrer späten Wachstumsphase und bemerkenswerten Wiederaustriebskraft nicht selten sogar profitieren.

Unkrautbekämpfung / Straßenbankett mähen

Das systematische Ausreißen von Ambrosia im Juni stellt zwar die aufwendigste aber auch einzig effektive Methode dar, denn in dieser Zeit lässt sich das Unkraut gut erkennen und setzt noch keine Pollen frei. Damit maschinelles Mähen von Grünflächen nicht automatisch zu einem unbemerkten Wiederaustrieb mit rascher Blüten- und Samenbildung führt, Wiesen zuvor begehen und gefundene Ambrosien, wenn möglich immer mit der Wurzel ausreißen. Nur bei unmittelbar bevorstehender Blüte größerer Vorkommen ist eine Mahd sinnvoll, um den Pollenflug kurzfristig zu vermeiden. Bereits Samen tragende Pflanzen sind sachgerecht zu entsorgen, um eine Keimung in den Folgejahren oder auf Deponien auszuschließen.

Falls eine manuelle Bekämpfung wegen der örtlichen Gegegebenheiten nicht möglich ist, sollte der Bereich während der Hauptwachstumsphase (Juni bis September) mindestens viermal im Abstand von jeweils vier Wochen wiederholt tief abgemäht werden, um die Ambrosia derart zu schwächen, dass sie keinen neuen Austrieb entwickeln und Blüten ausbilden kann. Bevor blühende Ambrosia-Bestände gemäht werden, gilt es unbedingt den Atemschutz der Beschäftigten zu gewährleisten.

Bei großflächigem Ambrosia-Befund können in Kombination mit Schnitt auch geeignete Herbizide angewendet werden. Ähnlich wie nach einfachem Rückschnitt, treiben die meisten Ambrosiapflanzen auch nach einfachem Herbizid-Einsatz erneut aus und gelangen nicht selten unbemerkt zur Samenreife. In Verbindung mit Rückschnitt empfohlene Herbizide sind zum Beispiel Lontrel 100, Banvel M, U 46 D-Fluid, Zintan Gold Pack sowie Callisto + Task + FHS. Empfehlungen zu Dosierung und Anwendung erhalten Sie in der Regel von den Herstellern. Eine Dauerlösung stellt diese Methode jedoch nicht dar, denn in den USA hat der langjährige Einsatz von Herbiziden gegen Ambrosia schon erste Resistenzen hervorgerufen.

Da eine geschlossene Vegetationsdecke (Rasen/Wiese) die Ausbreitung der Ambrosia verhindern kann, sind offene oder wenig bewachsene Böden generell zu vermeiden. Darum brache Flächen nach Bautätigkeiten schnell begrünen und Neubaugebiete verstärkt kontrollieren! Ehemalige Ambrosia-Standorte sind stets zu protokollieren, anschließend einige Jahre zu überwachen und ggf. flächendeckend zu begrünen.

Wiederaustrieb einer Ambrosia nach Schnitt

Alle ansässigen Landwirte, Landschaftsgärtner, Gartenvereine, Straßenmeistereien sowie Baufirmen, Schuttstellen- und Kiesgrubenbetreiber sind über die Ambrosia-Gefahr aufzuklären und zur Unkraut-Bekämpfung sowie Meldung von Fundorten aufzurufen. Gleichzeitig sollte eine Möglichkeit zur Meldung von Ambrosia-Vorkommen öffentlich bekannt gemacht werden. Auch bei Befund einzelner Ambrosien auf öffentlichem Boden, sollte der Standort den Gemeindebehörden gemeldet und in den kommenden Jahren entsprechend beobachtet werden.

Ambrosiapflanzen erkennen
Ambrosia-Meldestellen

Tipps für die Allgemeinbevölkerung:
Den Garten sowie häusliche Grünanlagen regelmäßig beobachten und bei Ambrosia-Befund das Unkraut wenn möglich vor der Blütezeit mit samt der Wurzel ausreißen und mit dem Hausmüll entsorgen. Blühende oder bereits samentragende Ambrosiapflanzen niemals in den Kompost, sondern in Kunststoffsäcken verpackt dem Hausmüll zugeben oder ordnungsgemäß verbrennen.

Beim Ausreißen von blühenden Ambrosien sollten unbedingt eine Feinstaubmaske sowie Handschuhe getragen werden. Pollenallergiker sollten diese Arbeiten sowieso niemals selbst durchführen!