Der Schwede

Der Schwede, so heißt es, sei schwerfällig, zurückhaltend, friedliebend, wortkarg, verschlossen, tatkräftig, tapfer, aber auch freundlich fleißig, ordentlich, rechtschaffen und gutgläubig. Aus nationaler Tradition erwuchsen Idealvorstellungen von Charaktereigenschaften wie Fleiß, Demut, Gottesfurcht, Naturverbundenheit und Vaterlandsliebe. Wer aus dem einen oder anderen Grund scheeläugig auf die Schweden und ihre Eigenart blickt, wird behaupten, dass für einen derartigen Volkscharakter heimlicher Groll, Missgunst, Eigensinn, Einfältigkeit, Trunksucht und als Folgeerscheinung primitive Aggressivität bezeichnend seien. Jeder der drei Standpunkte hat seine Berechtigung. Der schwedische Mensch ist alles das und darum in beträchtlichem Maße vielschichtig. Seine Schweigsamkeit und seine Wortkargheit sind ebenso oft ein Zeichen von innerem Gehemmtsein wie von innerer Ruhe. Diese Zurückhaltung bedeutet allerdings nicht, dass der Schwede nur Schweigern würde. Das schwedische Volk kommuniziert sehr gerne, was man an der Vielzahl von Mobiltelefonen und der Dichte von Internet-Anschlüssen sehen kann.Die Tatkraft des Schweden erwächst meist aus einer durch die Härte des Lebens und soziale Demütigungen bedingten Leidensfähigkeit und dementsprechend seltener aus wirklichem Betätigungsdrang. Sein Eigensinn erklärt sich aus einem komplex beladenen, falsch verstandenen Selbstbewusstsein, das sich über ein vom Fusel getrübtes Hirn oft in den aggressiven Reaktionen des unterdrückten „Ich“ entlädt.Der Schwede lässt sich also nicht auf das Schema eines klar durchschaubaren Typs festlegen. Um einen Zugang zu seiner Eigenart zu gewinnen, bedarf es eines Einblicks in sein Milieu und seine Geschichte, die von Pietismus, Anti-Alkoholbewegung und Arbeiterbewegung stark geprägt worden ist.Mit pauschalen Aussagen über „den Schweden“ sollte man also sehr vorsichtig sein. Am besten ist es, man macht sich selbst sein eigenes, persönliches Bild.

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